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Die Klage- und Nörgelfalle Vom Umgang mit chronischer Unzufriedenheit
Foto: iStock.com/Steve Debenport

Optimismus
Die Klage- und Nörgelfalle Vom Umgang mit chronischer Unzufriedenheit

Cornelia Dell’mour
Lehrerin
Niederrohrdorf, CH

Was siehst du?

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Wenn Sie beschreiben müssten, was Sie hier sehen, was würden Sie sagen?
Mit großer Wahrscheinlichkeit gehören Sie – wie ich – zur überwiegenden Mehrheit, die auf obigem Bild einen Punkt sieht und seine Farbe, möglicherweise seine Größe oder seine Position beschreibt. Erstaunlich ist, dass es kaum Menschen gibt, die sich bei dieser Aufgabe mit der weißen Fläche beschäftigen, die doch eigentlich viel mehr Raum einnimmt. Es sieht beinahe so aus, als wäre der Rest des Bildes nicht vorhanden, weil ja «nichts» zu sehen ist.

Die schwarzen Punkte in unserem Leben – das Klagen
Da ist eine Mutter von Kleinkindern, die gefühlt den ganzen Tag streiten und alle vorhandenen Geduldsfäden zum Zerreißen bringen. Eine Frau, deren Leben sich zwischen Heim, Supermarkt, Spielplatz und Wald abspielt und um Belanglosigkeiten dreht, mit wenig Austausch, kaum Anerkennung für das, was sie tut, und vor allem ohne Pausen. Trotz aller Bemühungen gelangt sie immer wieder an ihre Grenzen, obwohl die Sorge um ihre Kinder und deren Erziehung doch derzeit ihr einziges Betätigungsfeld ist.
Und dann ist da die Frau, die sich in einer einzigartigen und besonderen Phase ihres Lebens weiß. Ihre Tage sind nicht von den Zwängen des Berufsalltags, sondern von Kinderlachen geprägt. Sie kann völlig frei mit zwei kleinen und sehr begeisterungsfähigen Abenteurern heute dies und morgen jenes unternehmen. Sie beobachtet, wie ihre zwei Sprösslinge kreativ werden, soziales Miteinander üben und eine sorgenfreie Kindheit erleben. Ihr ist bewusst, dass jede Herausforderung die Kleinen und auch sie selbst wachsen lässt. Sie trifft Freundinnen in ähnlicher Lebenslage, und wenn die Kinder abends im Bett liegen, hat sie Zeit zur Verfügung, die sie oft nach Belieben gestalten kann.
Ahnen Sie, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt? Es ist typisch für uns Menschen, dass wir uns hauptsächlich mit den schwarzen Flecken unseres Daseins beschäftigen. Sie ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich – gesundheitliche Probleme, persönliche Herausforderungen, Enttäuschungen in Beziehungen, berufliche Schwierigkeiten. Wir denken über sie nach, sprechen von ihnen und vergessen darüber oft das große Ganze unseres Lebens. Wir übersehen, dass jede Situation oder Lebensphase Vorteile, große Chancen und Möglichkeiten bietet. Wie klingt Ihre Lebensgeschichte? Welche Widrigkeiten dominieren Ihre Gedanken und Erzählungen? Was können wir gegen die chronische Unzufriedenheit mit sich selbst und gegen die eigenen Lebensumstände tun?

Die schwarzen Punkte im Leben anderer – das Nörgeln
Es ist bezeichnend, dass auch in unserer Sicht auf andere häufig die dunklen Flecken am meisten ins Auge springen. Sie mögen klein sein und doch sind sie es, die in unserer Wahrnehmung und oft auch in unseren Gesprächen große Ausmaße annehmen. Das fällt besonders in den engsten Beziehungen auf. Wenn meine Mutter, meine Schwester und ich einander begegnen, ist immer wieder nach einem ersten prüfenden Blick statt eines freundlichen Kommentars ein «Hast du zugenommen?», «Warum warst du mit den Kindern nicht beim Arzt?», «Du warst schon eine Weile nicht mehr beim Friseur, nicht wahr?» oder ein «Du hast dich so lange nicht mehr gemeldet» zu vernehmen.

 

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