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Von 38 auf 5 Prozent
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Mäßigkeit
Von 38 auf 5 Prozent

Das Alkoholproblem unter Jugendlichen in Island

HELGI JÓNSSON MD
Psychiater

Ich bin in Reykjavík aufgewachsen. Damals begann man in Island schon in sehr jungem Alter, Alkohol zu trinken. Ich erinnere mich an eine Schulfeier im Alter von 12 Jahren. Aus einem mir unbekannten Grund fieberten meine Klassenkameraden auf dieses Ereignis hin. Am nächsten Morgen beobachtete ich, dass sich etwas verändert hatte, irgendwie waren sie anders geworden. Später erzählten sie sich gegenseitig ihre Geschichten, wie sie das erste Mal Alkohol probiert hatten. In der Regel Hochprozentiges.

Anfang der 80er
Damals, Anfang der 80er Jahre, war Bier in Island illegal, und Alkohol durfte erst mit 20 Jahren gekauft, besessen oder konsumiert werden. Bereits zu dieser Zeit wurde Alkohol nur in bestimmten staatlich geführten Spezialläden verkauft. Man konnte junge Kerle in der Nähe dieser Geschäfte beobachten, die Passanten mit der Bitte ansprachen, ihnen einen «Gefallen» zu tun. Da die früheren Generationen ebenfalls früh mit dem Trinken begonnen hatten, waren sie meist gerne bereit, den Jüngeren «auszuhelfen». Meist handelte es sich dabei um Spirituosen wie Wodka oder Ähnliches. Damals stellte das Trinken bei isländischen Jugendlichen schon länger ein echtes Problem dar. Es war an den Wochenenden nicht unüblich, nächtliche Gruppen betrunkener Teenager im Stadtzentrum von Reykjavík zu sehen. Meiner Einschätzung nach betrank sich bis zum Ende der 10. Klasse bereits die Mehrheit meiner Klassenkameraden. Islands Jugend konsumierte in der Regel viel, teilweise bis zur Bewusstlosigkeit. Selbst ausländische Journalisten bemerkten dieses Problem und berichteten darüber.

Lösung gesucht
Was war zu tun? All das war so normal und so tief in der Kultur verwurzelt, dass ein Wandel schwer vorstellbar schien. Stehen doch Freiheit und Ungezwungenheit exemplarisch für die Jugendzeit! Wie könnte man diese Einstellung ändern? Bis in die 90er Jahre geschah kaum etwas. Eine 1997 durchgeführte Umfrage unter Zehntklässlern ergab, dass 38 % von ihnen in den letzten 30 Tagen betrunken gewesen waren. Nur 29 % sagten, dass sie sich fast nie im Stadtzentrum von Reykjavík aufhielten, und nur 33 % gingen fast nie auf Partys. Die Zahlen sprachen für sich. Islands Jugend war schon in jungen Jahren ans Feiern und Trinken gewöhnt. Warum spielte das eine Rolle? Warum sollte man etwas dagegen tun? Würden sie nicht sowieso zu trinken anfangen? Nun, nicht unbedingt. Studien belegen, dass ein früher Alkoholkonsum die Anfälligkeit für Alkoholmissbrauch im späteren Leben maßgeblich erhöht. Gelänge es, das Einstiegsalter zu erhöhen, würden einige überhaupt nicht damit anfangen. Und wenn doch, wäre das Risiko eines problematischen Konsums vermindert. Je weiter der Gebrauch von Alkohssolika nach hinten verzögert werden könnte, desto günstiger würde sich das auf junge Menschen auswirken. Dies auch im Ausblick auf das gesamte Gesundheitsbild eines Menschen, da Alkohol ein anerkannter Risikofaktor für viele körperliche und seelische Krankheiten darstellt.

 

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